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Kein Fest ohne Kiermodder

Kier in Oberndorf vom 12. bis 15. August


6.08.2022

Die diesjährige Kier in Oberndorf ist eine ganz besondere, denn sie wird als nachträgliches Jubiläumsfest „101 Jahre VfB“ des VfB Oberndorf 1921 e.V. gefeiert. Wegen der Pandemie fielen das Fest und die Kier im Jahr 2021 leider aus. Das Festwochenende beginnt diesmal bereits Freitagabend, 12. August, 19.30 Uhr, mit einem Liederabend des Gesangvereins „Sängerlust 1911 e.V., Oberndorf“, der anlässlich seines 110-jährigen Bestehens, ebenfalls im vergangenen Jahr, diesen Abend mit befreundeten Vereinen veranstaltet. Auch in diesem Jahr wird die Kier traditionell von der Vereinsfestgemeinschaft, bestehend aus fünf Vereinen, veranstaltet. An Bord sind der Musikverein Oberndorf (MVO), der Gesangverein Sängerlust Oberndorf, die Freiwillige Feuerwehr Oberndorf, der VfB Oberndorf 1921 e.V. und der Narrenclub Oberndorf (NCO). Auch das ist Tradition, gelebte Solidarität: Die Vereine halten und feiern zusammen und arbeiten Hand in Hand.

Die Dienste werden über das gesamte Fest durch ehrenamtliche, freiwillige Helferinnen und Helfer aus den Vereinen bzw. aus Oberndorf geleistet. Auch das ist eine schöne Tradition, auf die alle Beteiligten stolz sind. Die Kier startet am Samstagnachmittag, 13. August, 16 Uhr, das ist die Tradition schlechthin, mit dem Aufstellen des Kierbaums durch die Kierburschen. Am Abend wird dann die Kiermodder in Begleitung des Musikvereins um 19 Uhr zu Hause abgeholt und vom Kiervodder nach dem ersten Kierwalzer vor dem Haus der Kiermodder mit lautem „Hallo“ aller Kierburschen und mit musikalischer Begleitung ins Festzelt geführt. Dort geht dann mit dem „Rauslassen der Kier“ auf der Bühne der Abend so richtig los. Die Band Gaudi-Power sorgt dann ab 20 Uhr für Stimmung mit guter Musik und lässt die Gäste das Tanzbein schwingen.

„Klein gegen Groß“

Der Kiersonntag, 14. August, beginnt traditionell mit dem Festgottesdienst um 10 Uhr in der St.-Martin-Kirche Oberndorf. Dort sind alle anwesend, auch die Kierburschen und die Kiermodder, auch wenn die Nacht davor sehr kurz und anstrengend war. Nach dem Gottesdienst machen alle traditionell dem Pfarrer vor dem Pfarrhaus mit dem Kiergruß und dem Kierlied die Aufwartung, bevor es mit der Musikkapelle Richtung Festplatz geht und dort mit Musik ins Festzelt eingezogen wird. Dort erwartet die Gäste am Sonntag ein reichhaltiges Angebot an leckeren Speisen aus der bekannt guten Kierküche im Festzelt.

Kein Fest ohne Kiermodder Image 3

Der Sonntagnachmittag ist den Kindern vorbehalten und steht unter dem Motto „Klein gegen Groß“. Man benötigt kein besonderes Talent. Jeder kann mitmachen. Ohne Anmeldung kommt man einfach dazu und beteiligt sich. Die Kierburschen sind bereit, sich mit den Kleinen zu messen. Gerne dürfen auch Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel mitmachen. In erster Linie werden Gruppenduelle durchgeführt. Wer sich traut, darf gerne bei einem Einzelduell einen Erwachsenen herausfordern. Für die Spielleitung und die Jury ist der NCO zuständig. Beginn ist um 14.30 Uhr an der Bühne im Festzelt. Am Sonntagabend wird „Geri, der Klostertaler“ für Stimmung sorgen, dafür ist er in Deutschland und Österreich bekannt und beliebt. Ein echtes Highlight erwartet die Gäste da.

Die Kierburschen sind ein wichtiger und über die gesamte Kier wegen ihrer einheitlichen Kleidung sichtbarer und hörbarer Teil der Kiertradition in Oberndorf. Die Farben der Poloshirts und der Bommeln dazu werden jedes Jahr neu festgelegt. In diesem Jahr wurden die Farben Schwarz und Weiß gewählt, passend zu den Vereinsfarben des Jubiläumsvereins VfB Oberndorf 1921 e.V. Der Montag, 15. August, beginnt um 11 Uhr mit einem Frühschoppen mit dem Musikverein Oberndorf. Für Stimmung und Tanz ist ab 19 Uhr mit der Haagrenner Hausband gesorgt.

Der Kirchweih-Brauch

Die Oberndorfer Kier wurde früher zu Ehren des Schutzpatrons der örtlichen Kirche, St. Martin, im November gefeiert. Samstags wurde von den Blooburschendie „Mai“ im Gemeindewald oder auch im Staatswald geholt. Vom anwesenden Förster wurden geeignete Tannen bestimmt. Alsdann wurden die Stämme aus dem Wald getragen und auf den Wagen geladen. Die Handkier wurde schon im Laufe der Woche geholt und beim „Schlüppmache“ mitgeschmückt. Auch Kränze wurden geflochten und geschmückt. Vor dem Aufstellen des Kierbaumes schob man sie am Stamm hoch und befestigte sie dort. Am Nachmittag war es dann so weit: Am Ortseingang wurden die Blooburschen mit ihren geschmückten Kierbäumen von der Musikkapelle abgeholt und zu ihrer jeweiligen Lokalität begleitet. Mit lauten Rufen „Wem ist die Kier?“ und den Antworten der Schaulustigen am Straßenrand „Uns!“ und vielen Freudenjauchzern ging es nun ans Aufstellen. Hierbei galt es auf ganz wichtige Sicherheitsvorkehrungen zu achten. Vor allem wegen der Strom- und Telefonkabel mussten die Bäume vor dem Aufstellen oft noch gekürzt werden. Stricke zum Hochziehen wurden benötigt, Leitern zum Keilen und Hochstemmen sowie Spalthämmer und Buchenscheithölzer zum Verkeilen der Bäume im Boden. Beim „Goldenen Adler“ und „Grünen Strauß“ musste der, damals noch geringe, Verkehr gestoppt werden.

Zu den Klängen „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter …“wurde die „Kierbehmer“ in die Höhe gehievt und befestigt. Die Blooburschen und die Musikanten genehmigten sich noch ein paar Schoppen bei ihrem Wirt, dann war’s Zeit,sich zum Abholen der „Kiermodder“ herauszuputzen. Die„Kiermodder“ war, und das ist sie wohl heute noch, ein hübsches Mädchen, das von einigen oder sogar den meisten der Blooburschen auch als geeignete Partnerin fürs spätere Leben angesehen wurde.Die wichtigste Regel bei der Kierfeier war und ist auch heute noch: Die Kiermodder und die Handkier dürfen nicht abhandenkommen! Bis auf wenige Abweichungen wird das Kirchweihfest heute in ähnlicher Form gefeiert.

Quellenangabe zum Kirchweih-Brauch: 550 Jahre Oberndorf/Dokumente, Geschichten, Traditionen/Herausgegeben vom Heimat- und Verkehrsverein Oberndorf e. V. 1994

  

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