Der Maintaler Peter Droste ist einer der besten Minigolfspieler Deutschlands
Minigolf dürfte wohl so ziemlich jeder schon mal gespielt haben. Einen Schläger halten und den kleinen Ball auf den verschiedenen Bahnen ins Loch zu bugsieren, macht nämlich nicht nur jede Menge Spaß, sondern kriegt man auch als Anfänger irgendwie noch hin. Diese Bahnengolfvariante gilt deshalb als die perfekte Freizeitbeschäftigung. Es gibt aber auch Menschen, für die ist Minigolf knallharter Wettkampfsport. Einer davon ist Peter Droste. Der Maintaler gehört zu den besten Minigolfspielern Deutschlands. 2024 wurde er sogar sensationell Deutscher Meister in seiner Altersklasse. Für ihn ist die Variante des Bahnengolfs nicht nur ein netter Zeitvertreib, sondern pure Leidenschaft. Dabei wollte er ursprünglich einen ganz anderen sportlichen Weg einschlagen. „Ich habe eigentlich mit Zehnkampf geliebäugelt“, sagt der gebürtige Mainzer. Rheumatische Probleme machten ihm aber schnell einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen verschlug es ihn auf die Minigolfbahn. „Am Anfang habe ich wie alle anderen auch nur ab und zu aus Spaß in den Sommerferien eine Runde gespielt. Ich habe aber schnell gemerkt, dass man sich durch Fleiß stetig verbessern kann, das hat mir gefallen.“
Von wegen lockerer Zeitvertreib
Durch seine vielen Besuche auf der Anlage wurden irgendwann die Spieler des Mainzer Vereins MSV Pistenteufel auf Droste aufmerksam. „Die haben meinen Fleiß und vielleicht ein wenig Talent bei mir entdeckt und mich schnell in die ,Profi-Geheimnisse‘ des Sports eingeweiht“, erinnert er sich. Damals war er ungefähr 16 Jahre alt. Mit Anfang 20 hört er aber schon wieder auf. Das Leben kam ihm dazwischen. Ausbildung, Abendgymnasium, Studium und der Beruf hatten für ihn Priorität. Für Minigolf blieb da schlicht keine Zeit. Erst 2011, dann in Bad Homburg, begann er wieder mit dem Sport. „Seitdem gibt es kein Halten mehr“, so Droste lachend.
Heute trainiert er bei passendem Wetter zwei- bis dreimal die Woche für jeweils mindestens drei Stunden. Vor wichtigen Wettkämpfen wie der Deutschen Meisterschaft kann es auch schon mal deutlich mehr werden, inklusive mehrmaliger Fahrt zum Austragungsort. Mit einer lockeren Freizeitbeschäftigung hat das nicht mehr viel zu tun. Viele Fußballer trainieren deutlich weniger. Minigolf auf diesem Niveau ist harte Arbeit. Bei der Deutschen Meisterschaft etwa werden an drei Tagen jeweils drei Runden gespielt. Die besten drei Spieler spielen die Medaillen dann sogar in einer zehnten Runde untereinander aus, eng begleitet von den Zuschauern. Das bedeutet körperlich und mental eine hohe Belastung. Denn einfach Ball hinlegen und drauflosschlagen, ist nicht. Droste versucht in der Vorbereitung jede Bahn „zu lesen“: Gibt es Spuren, in welche Richtung hängt die Bahn, wo gibt es sogenannte Wasserlöcher, also kleine Unebenheiten, in denen nach dem Regen das Wasser steht? Hinzu kommen noch die Witterungsbedingungen am Wettkampftag, denn ein Ball läuft bei Hitze und Kälte, Nässe und Trockenheit komplett anders.
Deutlich mehr als 100 verschiedene Bälle
Aus der Kombination aus Wetter und Bahngegebenheiten gilt es, an jedem Loch den passenden Ball zu finden, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Den passenden Ball? Gibt doch nur einen, wird der ein oder andere jetzt vielleicht aus eigener Erfahrung denken. Falsch. „Ich habe mehrere Hundert, vielleicht sogar tausend verschiedene Bälle“, sagt Droste. Diese unterscheiden sich in Absprunghöhe, Größe, Gewicht, Härte und der Oberflächenbeschaffenheit. Mal müssen die Bälle stark, mal schwach von der Bande abspringen. Manchmal braucht man einen Ball, der nach der ersten Bandenberührung fast liegen bleibt, ein anderes Mal soll er im Endkreis mehrfach hin und herlaufen. Es sind vermeintliche Kleinigkeiten, die auf diesem Niveau aber den Unterschied ausmachen können.
Den Minigolf-Anlagen selbst sind hingegen durch Vorgaben enge Variationsgrenzen gesetzt. Sowohl Länge und Breite als auch Art und Reihenfolge der Hindernisse sind durch ein Reglement klar definiert. Dennoch ist nicht eine Anlage wie die andere. „Es gibt immer Unterschiede, die man berücksichtigen muss. Manchmal ist der Beton rau, manchmal glatt. Auch die Bahnneigungen und Banden variieren von Kurs zu Kurs. Deshalb trainiere ich immer dort, wo das nächste Turnier stattfindet.“ Bei Anlagen, die er noch nicht kennt, besteht das Training aus einem grundsätzlichen Teil, bei dem er schaut, wie die verschiedenen Bahnen am besten zu spielen sind, und dies so lange wiederholt, bis er die Bahn „im Griff“ hat. Danach folgt ein Rundentraining, in dem er, wie jeder andere Hobbyspieler auch, eine ganze Runde absolviert. „Dabei schaue ich dann, wo es gut klappt und wo noch nicht. Die Problembahnen bekommen dann noch mal ein Einzeltraining.“
Am leichtesten findet Droste übrigens Bahn 11, auch Schiene genannt, weil er dafür nur einen Schlag braucht. Eine Hassliebe verbindet ihn hingegen mit Loch 8, dem Vulkan. An diese Bahn dürfte sich wahrscheinlich auch jeder Hobbyspieler gut erinnern. Wer stand nicht schon mal davor und hat verzweifelt versucht, den Ball ins Loch auf dem Vulkankegel zu bekommen. Wer das übrigens nicht in sechs Versuchen schafft, kassiert zudem noch einen Strafschlag.
Ziel: Deutscher Mannschaftsmeister
Es muss also wirklich viel zusammenpassen, wenn man bei Turnieren ganz oben mitmischen will. Eine gewissenhafte Vorbereitung, Körper, Kopf, Wetter, Tagesform, Technik und die passende Auswahl der Bälle – alles muss stimmen. Bei Droste fügten sich all diese Teile im August 2024 in Herten perfekt zusammen. Damals wurde er sensationell Deutscher Meister in seiner Altersklasse. „Dieser Titel ist etwas fürs Leben“, sagt er. Ob er den Coup noch einmal wiederholen kann? Eher unwahrscheinlich, glaubt Droste. „Vergangenes Jahr habe ich von neun Runden nur eine schwächere gespielt und war am Ende Siebter. Daran sieht man, dass es auf Kleinigkeiten ankommt.“
Realistischer sei da schon ein Titel mit der Mannschaft. Droste spielt inzwischen für den MSC Bensheim-Auerbach, mit dem er 2025 deutscher Vizemeister wurde. „Mit der Mannschaft die ,Goldene‘ zu holen, ist also noch ein Ziel von mir.“ Jetzt, wo es langsam aber sicher wieder wärmer wird, wird man Peter Droste wohl wieder regelmäßig auf den Minigolf-Plätzen der Region antreffen. Die Jagd nach dem nächsten Titel hat begonnen. Felix Hagemann